Kaufberatung

Wir wollen ihnen hier eine kleine Kaufberatung mit an die Hand geben mit der Sie das Objekt ihrer Begierde schon einmal vorab auf seine Gesundheit checken können. Viele Anfragen werden in etwa so gestellt:

"das eine ist ein 69er Baujahr mit ca. 70.000 km Laufleistung und 39 PS und das Andere ein 39 PS = 1300 ccm ?
  85er Baujahr mit ebenfalls ca. 70.000 km Laufleistung und 34 PS = 1200 ccm. Ich denke mal der 69er ist aus Deutschland, der 85er aus Mexiko, würdet ihr einen "deutschen" einem "mexikanischem" vorziehen? gibt es da Qualitätsunterschiede?

Unsere Antwort:
Die zwei Modelle unterscheiden sich in technischer Hinsicht nicht. Sie sind beide mit Drehstabachsen ausgerüstet und haben die gleiche Karosserieform. Sie unterscheiden sich in folgenden gravierenden Punkten:
Kotflügel hinten:
69er kleine Rückleuchten
85er sogenannten "Elefantenfüße"
Vorderansicht:
69er muss die Blinker auf den Kotflügeln haben
85er hat die Blinker in der Stossstange, wenn nicht, wäre es ein sehr spätes deutsches Modell. Die letzten in Deutschland produzierten haben die Blinker ebenfalls auf den Kotflügeln.
Innenraum:
69er sollte ein Blecharmaturenbrett haben, wenn eine Kunststoffauflage drauf ist, hat der Käfer eine Option der damaligen Sonderausstattung.
85er hat eine schwarze Kunststoffauflage und saubequeme Sitze. Sie sind baugleich mit denen vom Golf / Scirocco 2. Ein Vorteil ist, das man durch die Sitzaufnahme problemlos andere Sitze einbauen kann. Die Mexikaner haben auch griffigere Lenkräder mit richtigem Pralltopf, teilweise haben sie schon ein elektrisches Gebläse für die Frontscheibe.
Alle weiteren Details finden Sie auf unserer Homepage dem Link unter Details. Hier sieht man auch, wie die Bauteile aussehen sollten.

Unterschiede in Qualität gibt es sicher. Die sechziger haben tatsächlich stabileres Blech. Beim Mexikaner gab es die Probleme mit der werkseitigen Konservierung. In der Regel haben sie keinen Unterbodenschutz und Hohlraumschutz gehabt. Das wurde vom Händler nachgebessert, was den Nachteil hat, das eine teilweise sehr dicke Unterbodenschutzschicht aufgetragen ist. Ein weiterer Mangel der Mexikaner ist die Dichtung zwischen Fahrwerk und Karosserie. Diese wurde aus filzähnlichem Material eingebaut. Du kannst dir wahrscheinlich vorstellen, was mit "Stoffdichtungen" zwischen zwei Blechen im Spritzwasserbereich passiert: sie zieht sich mit Wasser voll und kann gar nicht trocknen, was zur Folge hatte das die Unterschweller (Unterseite von Trittbrettbefestigung) durchrosten. Bei den Älteren war die Dichtung aus Gummi. Hinzu kommt noch die Kalt- / Warmphase der Heizung, weil in den Schwellern die sog. Heizkanäle laufen. Sind die durchgerostet, kann Kondenswasser entstehen und er fault von innen nach außen.
Ist der Mexikaner metallic oder marsrot lackiert, kann es optische Probleme mit dem Lack geben. Bei Metallicfarben ist gerne der Klarlack abgeblättert und wurde auch meist nachlackiert. Beispiel: die letzte Ladung Mexikaner (Jubi-Modell 50-Jahre Käfer) ist in einen Hagelsturm reingekommen und alle wurden in Deutschland nachlackiert. Die meisten Sondermodelle in den 80ern sind im Alter vom Metalliclack schlecht dagestanden (verwittert/abgegangen). Die marsroten sind im Alter einfach ausgeblichen. Da nutzt auch kein Polieren mehr da die Farbpigmente aus dem Lack raus sind. Bei den End-60er gibt’s halt die Alterserscheinungen, die man nach 30 Jahren erwarten darf.

  Wie sieht es aus mit Rostproblemen oder anderen typischen Macken?

Ein kurzer Ausflug zu einem Rundgang zur Begutachtung. Fangen wir mal von vorne links an und gehen ums Auto hinten rum:
Kofferraum:
- Ersatzrad raus und ein Blick in die Wanne werfen. Spritzwasserbehälter wegnehmen
- in der Ersatzradwanne ist auch ein Typenschild angebracht, vergleichen mit Kfz-Brief!
- gleichzeitig die Einziehmuttern der Kotflügelschrauben begutachten, ob sie ungeschweißt sind
- Haube schließen; sie sollte ohne Kraftaufwand oder schlagen sauber einrasten
- wie ist denn die Elektrik hinter der Verkleidung verlegt?
Blick in die Radhäuser:
- jeweils im vorderen Bereich an der Stoßstangenbefestigung "Endspitze" nach Rost Ausschau halten
- jeweils im hinteren Bereich Richtung Türe an der Unterkante des Radhauses
- kurzer Blick entlang der Schraubkante des Kotflügels
Blick unter den Vorderbau auf die Achse:
- hier zwischen den Tragarmen der Achse schauen (wo die Bremstrommel befestigt sind), ob etwas durchgerostet ist (wenig Pflege) oder schon geschweißt wurde
- an der Vorderachsaufnahme vorbeilinsen, ob der Rahmenkopf durchgerostet ist und ob am Stehblech (wo der Bremszylinder sitzt) nichts durchgerostet ist
- mal die Lenkung wackeln lassen und prüfen ob die Traggelenke ausgeschlagen sind
Blick unter die Trittbretter:
- entlang am Schweller, ob an der Befestigung der Trittbretter Durchrostungen sind
- Unterboden und Unterschweller entweder durchgerostet oder zusammengeschweißt sind
Türe auf
- mal mit der Hand am Schweller entlang drücken, ob es knirscht oder stabil ist
- der Einstiegsbereich tadellos in den Ecken und hinterm Trittbrett (soweit man das sieht)
- die unteren Abschnitte der Seitenwand oberhalb des Trittbretts
- Türen sollen satt schließen, leicht und ohne "Höhenspiel" aufgehen – also beim Öffnen nicht nach unten fallen, sonst sind es die Türscharnierbolzen ausgeschlagen
- auch die Türkante von unten anschauen
weiter im hinteren Radhaus
- Richtung Türe sieht man so einen Art Absatz, der in einen Bogen übergeht. In der kurzen unteren Gerade rosten sie gerne durch. Hier schlägt sich gern Kondenswasser vom Heizkanal innen ab
- der Unterkante vom Radhaus nach hinten folgen ob im Bereich der Stossdämpfer Durchrostungen sind
- hinten angekommen, wieder an den Stoßstangenbefestigung "Endspitze" prüfen
Motorhaube auf
- in den seitlichen Bereichen ruhig hinter die Motorverkleidung gucken
- Ölmessstab ziehen und schauen, wie das Öl aussieht (metallisch, wie schwarzmetallic = viel Verschleiß im Motor, weiß oder schaumig = Kondenswasser im Öl)
- Keilriemen kurz anschauen, ob er rissig ist
rechte Seite wie vorher, weiter im Innenraum rechts rein
- hinten rein krabbeln und die Sitzbank hoch nehmen. An den Außenseiten laufen isolierte Rohre (Warmluftkanal), dahinter rostet es gerne
- auf dem Rahmentunnel ist auch die Fahrgestellnummer eingeschlagen; mit Kfz-Brief vergleichen
- bei der Abtrennung zum Fußraum kommen die Heizzüge raus. Die mal bewegen, bei dem linken oder rechten Zug (zwischen den Sitzen) sollten die Klappen gangbar sein. Dann funktioniert auch die Heizung
dann in vorderen Fußraum
- die Teppiche und Gummimatten anlupfen, hier hast Du einen sauberen Blick auf den vorderen Fußraum. Das Trittblech mal herausnehmen und das Stehblech (Geschwungene Linie) mal begutachten
- auch mal einen Blick auf den Dachhimmel (Raucher oder Risse) werfen
zu guter Letzt noch unters Auto
- die Verbindung zwischen Rahmenkopf und Bodenplatte
- die Bodengruppe im Bereich der Wagenheberaufnahmen (vor der Hinterachse), auch ruhig den original Wagenheber ansetzen und hoch nehmen!
- Blick über das Getriebe, da gehen noch jeweils ein Zug links und rechts aus der Achsgabel hinten (wo das Getriebe drin hängt) an die Heizbirnen. Die mal bewegen lassen, die Klappen steuern Heizung an/aus
- die Heizbirnen (am äußeren Ende des Motors) selbst sollten nicht durch sein, ebenso die Verbindung zum Auspuff
- die Nähte am Auspuff rosten auch gerne durch

das sind alle erdenklichen Roststellen! In der Regel sind es die Schweller, die Endspitzen und an der Hinterachse im Radhaus Richtung Kotflügel.
Ist er im Achsbereich vorne am Rahmen oder Stehblech zum Fahrerraum (unter Tank) durchgerostet, oder im Bereich über der Hinterachse durch, ist die Schweißarbeit meist aufwendig. Für die Seitenschweller gibt es leider u.a. ein Reparaturblech, mit dem der Boden und Karosserie zusammen geschweißt wird. Für gute Arbeit muss die Karosse abgenommen werden auch wenn es über der Achse / Getriebe gammelt!

  worauf sollte ich beim kauf achten?

ich achte bei meinem Rundgang schon auf schlecht geschweißte oder zugekittete Stellen und Ölundichtigkeiten (Bremse an Trommeln, Leitungen und Hauptbremszylinder, Tank und Spritleitungen sowie auch Motor oben und unten) und den gesamten optischen Eindruck (Rostblasen an Ecken und Kanten).
Wenn er da einen guten oder zufriedenen Eindruck macht, kann es zur Funktion gehen
- läuft der kalte Motor sauber und rund an?
- nimmt er Gas ruckfrei an und regelt im warmen Betrieb wieder runter so auf 600 Umdrehungen?
- funktioniert die ganze Elektrik auch wenn die Beleuchtung komplett eingeschaltet ist (Licht / Blinker / Rückfahrscheinwerfer) und die Bremse betätigt wird? Oder flackern die Bremslichter im takt des Blinkers? Dann ist ein Masseproblem vorhanden
- rupft die Kupplung beim Losfahren oder wie ist das Spiel?
- beim Fahren: wie bremst er? Weiter Pedalweg (Bremsbeläge meist verschlissen oder einzustellen), Rubbeln (Beläge/ggf. Trommeln), zieht er irgendwo hin (Einstellung), muss ich Pedaldruck aufbauen (Luft in der Anlage)
- singt das Getriebe permanent oder nur in einem Gang? Permanent = Getriebeausgangslager, bei einem Gang = Getriebezahnradlager, eventl. Zahnradpaar)
- klackert der Motor im Rhythmus der Drehzahl (tacktacktack...) oder klingelt er? Klackern = Ventilspiel, Klingeln = Kurbelwellenlager!
- flattert die Lenkung bei bestimmter Geschwindigkeit (Unwucht der Räder) oder schlagartig bei Bodenwellen (Achslager/Stoßdämpfer)
- wie ist das Lenkspiel und der Geradeauslauf?

Zu guter letzt schau ich mir noch den Brief an (wie viele Vorbesitzer, wie alt waren die; Zubehörteile eingetragen; gängige Reifen eingetragen 155/15 oder 165er, nicht nur 5.60x15 - die gibt es fast nicht mehr).

  ich habe gehört, das man an den alten deutschen besser "basteln" kann. mir geht es dabei aber
  nicht um "Tuning" etc. sondern falls Reparaturen anfallen.

Die zwei Modelle sind technisch identisch. Man kann sagen, die Mexikaner haben die Technik und Karosserie aus dem Jahr 68 übernommen, ein Karosserie - Facelift durchgezogen und die Fetzer innen gemütlicher gemacht. Motor, Achsen, Getriebe, Bremsen, Elektrik sind identisch. Das heißt es wirkt sich nicht auf die Ersatzteilpreise aus ob es ein 69er oder 85er ist. Beim 85er kannst mal drauf achten ob er zinngrau ist, grünverglaste Scheiben und eine graue Innenausstattung hat. Dann handelt es sich um das Jubiläumsmodell 50-Jahre. Da würde ich zugreifen.

Ich selbst würde abwägen ob Mexikaner oder 69er. Liegt die Zulassung vor dem 01.07.69 ist keine AU fällig. Des weiteren kann man ein historisches Kennzeichen beantragen. Dazu muss der Käfer im Originalzustand sein. Patina (optische Alterserscheinungen) spielt eine untergeordnete Rolle. Bei "H" - Zulassung ist die Steuer auf ca. 190 Euro begrenzt, ansonsten so um die 300 Euro. Fragen dazu beantworte ich dir bei Interesse natürlich. Es kommt ganz auf den Einsatzzweck an; ob Alltagsauto oder Saisonauto. Als Alltagsauto würde ich den Mexikaner vorziehen - er ist einfach bequemer, kostet halt mehr Steuern, Saisonzeitraum ohne Winter kann Abhilfe schaffen. Ich selbst fahre sehr gern mit meinem Mexikaner. Für mich sind die "alten" im Ruhestand für schöne Tage. Zuverlässig sind beide - keine Frage!
Ich meine immer, wenn er einen guten Gesamteindruck auf mich macht (auch der Verkäufer!), ich rein sitze und er sich gut anfühlt dann kann fast nichts schief gehen. Da kann man einen oder zwei Kleine Mängel verzeihen - Perfekte sind ja schon ganz gut teuer! Ich muss ihn einfach auf Anhieb mögen, aber nicht mit Gewalt einen haben müssen. Einen persönlich guten "Freund" braucht einfach Zeit zum finden. :-)

Puhhh, geschafft.
Das sollte mal ne Checkliste sein, wie Du um nen Käfer gehen kannst, worauf ich achte. Normal kann dir jetzt nichts entgehen.
Wenn du deinen Kandidaten gecheckt hast und es Probleme gibt, Du dir aber nicht sicher bist, einfach melden.